Prag an einem Tag

Auf dem Weg in die sächsische Schweiz erwähnte Andy, dass er noch nie Prag war.

Bitte was?

Diese wundervolle Hauptstadt der tschechischen Republik muss man doch wenigstens einmal im Leben gesehen haben! Da traf es sich gut, dass mein letzter Besuch in der goldenen Stadt nun auch schon 20 Jahre zurück lag… und hey – Prag ist ja nicht so weit weg. Zweieinhalb Stunden mit dem Auto. Aber wie gemein… wenn wir mit dem Auto fahren, kann einer von uns nicht in den Genuss des leckeren böhmischen Biers kommen. Was also tun? Zug fahren! Aber das ist von Neustadt nicht möglich. Oder zumindest extrem umständlich. Die ideale Verbindung wäre ab Bad Schandau gewesen. Kurzerhand fragte ich im Hotel nach Alternativen und der hilfsbereite Concierge organisierte uns eine Busfahrt des Unternehmens Puttrich, die uns sogar direkt vom Hotel abholen würde und eine Stadtführung beinhalten sollte.

Was soll ich sagen? Kaffeefahrt nach Prag? Na klar! Da sind wir dabei und nehmen gerne in Kauf, dass wir das Durchschnittsalter im Bus um einige Zähler senken. Die Fahrt selber war lang und ziemlich ereignislos, wurde aber durch einige Erzählungen und Anekdoten unseres Stadtführers aufgelockert.

Stadtführung im Turbomodus

Endlich in Prag angekommen, wurden wir auf dem dem Burgberg, den ich als Kind fälschlicherweise noch als Hradschin kennen lernte, abgesetzt und begannen uns als Gruppe durch das Gewühl zu schlagen. Wie all die drölfzigmillionen anderen Touristen auch. Immer wieder stoppten wir an den berühmten Sehenswürdigkeiten der Burg, bahnten uns unseren Weg über die Karlsbrücke und schauten uns ein wenig in der Altstadt um, bevor uns unser Führer in die wohlverdiente “Mittagspause” entließ. Ab jetzt hieß es: Zweieinhalb Stunden zur freien Verfügung. Ohne die Gruppe. Yeah! So nett unser Stadtspaziergang auch war – für Prag braucht man deutlich mehr Zeit und vor allem eine kleinere Gruppe.

Den Nachmittag durften Andy und ich also selbst gestalten. Was also tun? Für mich hängen sehr viele Erinnerungen an DER Tourikneipe in Prag – dem U Fleku. Da wollte ich gern wieder hin. Mit einem kleinen geplanten Umweg über den berühmten Wenzelsplatz (leider aktuell eine große Baustelle) fanden wir den gemütlichen und erstaunlich leeren Biergarten etwas außerhalb der Altstadt relativ schnell. Googlemaps sei dank!

 

U Fleku – mit böhmischem Bier auf den Spuren der Kindheit

Ob es wohl am Wochentag oder an der Tageszeit lag, dass es so ungewöhnlich wenig besucht war, vermochte ich nicht einzuschätzen. Ich konnte mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass ich das U Fleku jemals mit leeren Bänken gesehen habe. Ganz im Gegenteil. Immer wenn ich als Kind mit den Eltern dort war, platze der Biergarten aus allen Nähten und die Stimmung war herrlich ausgelassen. Dieses Mal jedoch konnten wir uns den Sitzplatz aussuchen. Und ich durfte endlich, endlich auch mal im U Fleku ein Bier trinken!

Die Recherche im Vorfeld auf Tripadvisor ergab, dass der Biergarten mittlerweile noch mehr auf Touristenabzocke eingestellt ist als er es früher war. Aber was erwarte ich denn? Ja, es ist in Ordnung, wenn das Bier direkt an den Tisch gebracht wird sobald ich mich setze. Wofür gehe ich denn sonst in eine Brauerei? Und wenn ich keinen Schnaps will, dann sage ich das den durchweg freundlichen Kellnern. Ich verstehe diese Art Kritik auf Tripadvisor nicht.
Wir hatten jedenfalls eine ziemlich gute Zeit bei schmackhaftem Bier, wirklich leckerem böhmischen Essen und dem obligatorischen Becherovka.

Etwas angetrunken machten wir uns zurück auf den Weg in die Innenstadt, wobei wir eine der niedlichen Moldauinseln besuchten und das bunte Treiben auf dem Wasser beobachteten.

Über den Dächern von Prag

Da wir noch ein wenig Zeit hatten, bevor sich die Gruppe wieder auf dem Marktplatz zusammen finden sollte, folgten wir einem Insidertipp aus Andys Facebook Timeline und suchten das Hotel Prince. Dort sollte es ein Café auf dem Dach mit herrlicher Aussicht geben. In der Tat befand sich das charmante Hotel direkt am Markt und bot einen grandiosen Rundblick über die Dächer der Stadt. Der Irish Coffee, den wir uns dort oben gönnten war für tschechische Verhältnisse exorbitant teuer – aber allein die Fotomöglichkeiten waren es wert!

Überall in der Stadt – also wirklich fast in jedem zweiten Hauseingang – wurden Trdelník mit den verschiedensten Füllungen angeboten. Aufgrund mangelnder Gelegenheit für Palatschinken mit Quark beschlossen wir, diese süße slowakische Spezialität auszuprobieren. War ganz lecker – aber den Hype darum verstehe ich nicht ganz.

Gegen 16 Uhr traf sich die Gruppe dann wieder, um gemeinsam durch das jüdische Viertel zum Bus zu laufen. Dort angekommen, hatten wir noch einmal eine schöne Aussicht auf die Burg, bevor wir in den Bus stiegen und die Rückreise antraten.

Mein Fazit

Prag ist genauso wunderschön und charmant – und vielleicht noch überrannter von Touristen – wie ich es in Erinnerung hatte. Ein Tag reicht bei weitem nicht aus, um die goldene Stadt ausreichend kennen zu lernen. Aber wie Andy treffend feststellte: Ein Nachmittag ist ausreichend Zeit, um herauszufinden, dass man unbedingt nochmal nach Prag reisen muss.

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