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Watarrka Nationalpark und der Kings Canyon (4/7)

In Australien ist ja bekanntlich alles groß und vor allem ist alles weit weg. Daher hatte ich im Vorfeld nach einer Tour gesucht, die nicht nur zu interessanten Punkten im Outback führt sondern auch einige Bedingungen erfüllt wie zum Beispiel Respekt gegenüber der Kultur der Anangu. Fündig wurde ich bei Wayoutback und in dieser Blog-Serie möchte ich meine Eindrücke der fünftägigen Tour durch das rote Zentrum Australiens mit euch teilen.

 

Lange schlafen kann man sich auf einer Outbackreise abschminken. Aber weil unser Guide Danny großzügig war, schallte der Weckruf erst um 5:45 Uhr durch das Camp. Das frühe Aufstehen hatte natürlich auch einen Sinn: wir wollten vor allen anderen Touristengruppen im Watarrka Nationalpark und am Kings Canyon sein.

Während der dreistündigen Wanderung erklommen wir zunächst den Rand des Canyon über den Heart-Attack-Hill. Dieser Aufstieg trägt seinen Namen vollkommen zurecht. Phuuuu! Hier war neben der trockenen Hitze auch noch wirklich körperliche Anstrengung gefragt. Nachdem wir das geschafft hatten und wieder halbwegs bei Atem waren wanderten wir den “Kings Canyon Rim Walk” entlang.

Die insgesamt 6 km waren nach dem unglaublich zehrenden Aufstieg dann weitestgehend flach und von herrlichen Aussichten in den Canyon hinein geprägt.

Auf dem Weg lernten wir viel über Flora und Fauna sowie über die Geschichten der Luritja People. Doch auch aktuelles Kulturgut kam nicht zu kurz als wir eine Felsspalte passierten, die durch den Film “Priscilla – Königin der Wüste” einen durchaus nennenswerten Bekanntheitsgrad erreicht hatte.

Am Ende des Canyon empfahl Danny uns, einen Umweg von 40 Minuten in Kauf zu nehmen, um an einem heiligen Wasserloch der Luritja People die Landschaft und die Stille zu genießen. Der Name des Ortes: “Garden of Eden”. Originellerweise gab er uns Äpfel als Verpflegung mit!

Auch dieser Tag kam nicht ohne längere Fahrt durch das Outback aus. Dieses Mal passierten wir aber wenigstens die berühmte “Mereenie Loop Road”, die sich auf diesem Teilstück als ziemlich holprige Schotterpiste darstellt aber wunderschöne Landschaften wie zum Beispie den “Gosse Bluff” Krater bereithält.

Fazit

Eine Wanderung im Watarrka Nationalpark sollte unbedingt eingeplant werden, wenn man die Zeit hat – möglichst auch früh am Morgen. Einerseits ist die Hitze erträglicher, andererseits verliert der “Garden of Eden” garantiert seinen Zauber wenn mehr Menschen anwesend sind.

Im nächsten Beitrag geht es dann in den Ormiston Gorge auf dem Ghost Gum Walk.

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Wandern in den Kata Tjuta (The Olgas) (3/7)

In Australien ist ja bekanntlich alles groß und vor allem ist alles weit weg. Daher hatte ich im Vorfeld nach einer Tour gesucht, die nicht nur zu interessanten Punkten im Outback führt sondern auch einige Bedingungen erfüllt wie zum Beispiel Respekt gegenüber der Kultur der Anangu. Fündig wurde ich bei Wayoutback und in dieser Blog-Serie möchte ich meine Eindrücke der fünftägigen Tour durch das rote Zentrum Australiens mit euch teilen.

Das Ziel des Tages war Kata Tjuta (früher bekannt als “The Olgas”). Diese Steinformation ist zwar ganz in der Nähe des Uluru – sieht aber komplett anders aus als der Monolith. Die Bergwelt rund um das “Valley of the Winds” besticht durch die 36 “Domes”, die wie riesige Kuppeln das Bergmassiv formen.

Während einer zweistündigen Wanderung durch das “Valley of the Winds” zum Aussichtspunkt auf der anderen Seite, erzählte Danny uns – wie am Tag zuvor versprochen – viel von der Geologie des gesamten Areals.

Der Name Kata Tjuta bedeutet in der Sprache der Anangu soviel wie “viele Köpfe”. Findet ihr nicht auch, dass das viel, viel passender ist als “The Olgas”?

Obwohl die gesamte Wanderung nur etwa sieben km lang war und auch keine übermäßigen Anstiege hatte, waren die zwei Stunden extrem anstrengend. Aufgrund der trockenen Hitze muss man sehr, sehr viel Wasser mitnehmen und das natürlich auch trinken. Tatsächlich wird der Wanderweg bei Temperaturen über 36 Grad – in den Sommermonaten keine Seltenheit – zum Schutz der Touristen gesperrt.

Anschließend steuerten wir auf dem Weg Richtung Watarrka Nationalpark  einen Aussichtspunkt  an, wo wir einen großartigen Blick zurück auf Kata Tjuta werfen konnten.

Außerdem durften wir während einer kurzen Unterbrechung aus der Ferne den beeindruckenden Tafelberg Attila (früher bekannt als Mount Conner) bestaunen und auf einem weiteren Stopp zeigte Danny uns einen der riesigen Salzseen der Umgebung.

Nachdem die Gruppe fleißig Holz gesammelt hatte, erreichten wir spät am Abend “Kings Creek Station” wo wir einen Campground vorfanden, der weit weg von allem war. Die “Toilette mit Aussicht” verfügte lediglich über einen flattrigen Vorhang statt einer Tür und ja – der Sternenhimmel war unbeschreiblich schön. Selbst von der Toilette aus betrachtet.

Fazit

Die Wanderung in den Bergen von Kata Tjuta ist sehr lohnenswert, wenn auch anstrengend. Der Ausblick belohnt in jedem Fall für den vielen Schweiß.

Im nächsten Beitrag geht es um den Watarrka Nationalpark und wieder mal um eine tolle Wanderung.

Uluru (Ayers Rock) und die Anangu Stories (2/7)

In Australien ist ja bekanntlich alles groß und vor allem ist alles weit weg. Daher hatte ich im Vorfeld nach einer Tour gesucht, die nicht nur zu interessanten Punkten im Outback führt sondern auch einige Bedingungen erfüllt wie zum Beispiel Respekt gegenüber der Kultur der Anangu. Fündig wurde ich bei Wayoutback und in dieser Blog-Serie möchte ich meine Eindrücke der fünftägigen Tour durch das rote Zentrum Australiens mit euch teilen.

Die kleine Stadt Alice Springs bezeichnet sich selbst als das Tor zum roten Zentrum und dennoch hat man noch gut 500 km bis zum Uluru vor sich. Also hieß es früh aufstehen und noch etwas Schlaf im Allrad-Bus nachholen.

Gegen Mittag kamen wir am Uluru an und unser großartiger Guide Danny bat uns zu aller erst, nicht den Aufstieg zum Felsen zu unternehmen. Offiziell ist das ja noch erlaubt – aber jeder Mensch mit ein wenig gesundem Verstand und Empathie weiß, dass es gegenüber den Anangu respektlos ist, wenn man auf ihrer heiligsten Stätte herumklettert. Eigentlich hätte Danny sich die Ansprache auch sparen können, denn niemand aus unserer Gruppe hatte auch nur im entferntesten daran gedacht, diese dumme Klettertour zu unternehmen.

Viel lieber liefen wir ein Stück des “Base Walks” – ein Wanderweg rund um den Felsen –  entlang und lauschten Geschichten wie zum Beispiel der über die “Mala”. Jede Geschichte der Ureinwohner versucht, die Welt zu erklären wie sie ist.

  • Warum sehen Dinge so aus, wie sie aussehen?
  • Warum ist da ein riesiger Stein mit praktischen Höhlen mitten in der Wüste?
  • Was sind die wichtigen Dinge, die wir uns merken müssen?

Danny verstand es wunderbar, uns den Uluru mit all seinen Stories näher zu bringen und meine Frage nach der geologischen Entstehungsgeschichte beantwortete er wahrheitsgemäß mit “Today is about stories. Tomorrow you’ll get the science.”

OK. Damit konnte ich gut mit leben.

Vor allem als er uns Valerie vorstellte. Diese schüchterne und leise Anangu-Frau zeigte uns mit Hilfe einer Dolmetscherin einige der imposanten Höhlenmalereien und erklärte uns, warum der Uluru so besonders für sie und ihre Leute ist. Sie zeigte uns außerdem was es mit dem berühmten “Dot Painting” auf sich hat. Mein Kunstverständnis ist nicht all zu ausgeprägt (um es mal nett auszudrücken) – aber selbst ich verstand den tieferen Sinn der Symbole und der Farben. Schließlich durften wir uns unter Valeries Anleitung sogar selbst daran versuchen! Naja – seht in der Bildergalerie selbst. Hätte auch von einer Dreijährigen sein können und niemand sähe einen Unterschied. Aber dafür ist es richtige Kunst. So!

Das Highlight erwartete uns dann am späten Nachmittag wo wir – und ungefähr drölfzigtausend andere Touristen – bei einem Gläschen Sekt den Sonnenuntergang und das spektakuläre Farbspiel genießen durften, bevor wir den Abend in unserem gemütlichen Camp ganz in der Nähe verbrachten.

Der Sonnenaufgang am Uluru ist dagegen nicht sooooo atemberaubend, dass es sich lohnt dafür um 4:15 Uhr aufzustehen und erbärmlich zu frieren. Eigentlich wartet man nur darauf, dass die Sonne endlich am Horizont erscheint. Nicht nur weil es vielleicht ganz nett aussehen könnte, sondern vor allem weil die Temperaturen gern wieder zweistellig werden durften. Man ist halt in mitten in einer Wüste und da gilt die Regel “tagsüber brütende Hitze, Nachts gern auch mal Frost” – brrrrr! Nicht schön – aber man gewöhnt sich im Laufe der Tage daran.

Sonnenaufgang


Sonnenaufgang in der Wüste

Fazit

Der Uluru ist so bemerkenswert schön – den muss man gesehen haben. Auch wenn ihr nur für einen kurzen Ausflug Zeit habt: macht das!

Im nächsten Beitrag geht es um Kata Tjuta und eine wunderbare Wanderung in der farbenprächtigen Bergwelt.

Das Rote Zentrum Australiens (1/7)

Wenn man schon mal in Australien ist, sollte man sich auch diesen einen roten Stein da mitten in der Wüste anschauen. Soll ja recht beeindruckend sein…

Uluru

Nein im Ernst. Der Uluru (früher auch unter dem englischen Namen Ayers Rock bekannt) ist ein faszinierender Ort. Die Landschaft, der Monolith selbst, die vielen anderen Sehenswürdigkeiten drum herum und all die wunderbaren “Stories” der dort lebenden Aborigines – den Anangu – machen das rote Zentrum so besonders.

Da wir nicht nur den Uluru sehen wollten, hatte ich im Vorfeld nach einer Tour gesucht, die folgende Randbedingungen erfüllt.

  • Möglichst viele Sehenswürdigkeiten sollten abgedeckt werden
  • Ich will nicht allein mit dem Auto dort rumfahren
  • Viele Abenteuer in einer kleinen Gruppen
  • Die Kultur der Anangu soll respektiert und vermittelt werden.

Fündig wurde ich dann bei Wayoutback, wo ich mich für die große Fünf-Tage-Tour entschied. Untergebracht waren wir während dieser Tour fast immer in feststehenden Zelten auf mehr oder weniger gut durchdachten Campgrounds mit Sanitäranlagen, rudimentären Küchen und Lagerfeuer zum kochen. Wayoutback zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass wir immer von anderen Gruppen abgeschottete Campgrounds hatten, so dass wir meistens das Gefühl hatten, wirklich im Outback zu sein. Andere Gruppen wurden zum Beispiel in Yulara – einem riesigen Touristenzentrum am Uluru – untergebracht und mussten lärmende Backpackerhorden ertragen. Dies blieb uns netterweise erspart. In der letzten Nacht wurde es dann beim Bush Camping auch richtig abenteuerlich – aber davon später mehr.

Auf einer Outbackreise muss jeder mit anpacken. Unser hervorragender Guide Danny sagte schon am ersten Morgen “This is not a holiday. This is an experience.”

Kein Problem: Erstens schweißt gemeinsame Arbeit eine Gruppe bekanntlich zusammen und außerdem hat so ein Guide wirklich schon genug um die Ohren, und sollte mit Kleinigkeiten entlastet werden: man hilft beim Kochen, wäscht Geschirr ab (ja – und schwatzt dabei mit den anderen Damen der Gruppe), räumt im Camp auf und vor allem sammelt man Feuerholz.

Bei letzterem gibt es nur drei kleine Regeln:

  1. suche so große Stücke Holz wie möglich
  2. das Holz muss zwingend tot sein
  3. lass dich nicht von Schlangen beißen. Bitte.

In den folgenden Artikeln stelle ich euch die besuchten Sehenswürdigkeiten etwas genauer vor. Stay tuned!

K’Gari – die größte Sandinsel der Welt

Jeder Reiseführer über Australien – aber auch wirklich jeder – empfiehlt einen Ausflug nach Fraser Island. Und das zu recht. Allerdings werde ich diesen Namen jetzt das letzte Mal verwenden. Denn wie ich gelernt habe, heißt diese wunderbare – komplett aus Sand bestehende – Insel eigentlich K’Gari (gesprochen: “Gari” – fragt mich nicht warum!).
Und weil ich ein großer Freund davon bin, den Aborigines – in diesem Fall den Butchulla People – den Respekt zu zollen, den sie verdienen, werde ich den englischen Namen nicht verwenden.

Die Insel

Am besten gelangt man von Hervey Bay auf die Insel und schließt sich einer geführten Tour an. Klar kann man auch selbst auf die Insel mit einer Fähre fahren… aber man braucht zwingend ein Allrad-Auto und tausend Genehmigungen. Warum? Die gesamte Insel ist Weltnaturerbe und es gibt keinerlei befestigte Straßen. Daher wurde der ewig lange Sandstrand kurzerhand zur Autobahn und zur Landebahn für Kleinflugzeuge erklärt.

Unzählige Anbieter bringen euch für Tagestouren in Bussen oder größeren Jeeps auf die Insel und zeigen euch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten.
ABER: ich empfehle ganz klar, mehr als einen Tag einzuplanen. Es gibt so viel zu sehen und so viel zu erleben!
Nach einiger Recherchearbeit auf Tripadvisor habe ich mich daher für die 2-Tages-Tour von Dropbear Adventures entschieden. Und weil ich keine Lust auf Jugendherberge hatte, legte ich noch ein “Glamping”-Upgrade obendrauf. Ein eigenes Zelt mit richtigem Bett und eigenem Bad. Perfekt.

Eli Creek

Auf der Insel angekommen durften wir die Landcruiser auch schon selbst am Strand entlangfahren. Unser Guide Troy machte uns mit den Fahrzeugen und den besonderen Verkehrsregeln der Insel vertraut. Mit diesem Wissen im Gepäck durfte dann jeder der Gruppe, der wollte, die rumpeligen Gefährte durch das unwegsame Gelände steuern. Was für ein Heidenspaß!


Der erste Stopp des Nachmittags war Eli Creek – ein kristallklarer kleiner Bach mit einer ordentlichen Strömung, in dem wir etwa eine Stunde planschen durften.
Diese Idee hatten etliche andere Touristen und Touranbieter ebenfalls, so dass wir einen Einblick bekamen, wie es sich anfühlt, wenn man im Eiltempo in einer großen Gruppe über die Insel kutschiert wird. Ich freute mich sehr, dass ich mich für eine andere Art des Reisens entschieden hatte.

Indian Head

Weiter ging es dann zum Indian Head, der einerseits einen wunderbaren Aussichtspunkt und andererseits eine heilige Stätte der Butchulla darstellte. Auf die Frage hin, welches Schuhwerk für den 10minütigen Aufstieg nötig wäre, meinte Troy “Thongs (FlipFlops) are fine.” Was für eine Falschaussage! Ich kämpfte mich in Plastiklatschen über schlammige Pfade und Geröll und Gestein nach oben. Tatsächlich bot das Ziel einen unglaubliche schönen Blick über Meer, Strand, Dünen und Wälder. Für den “Abstieg” wählte ich dann die weniger gefährlich erscheinende Variante: barfuß. Autsch.

Champagne Pools

Noch weiter im Norden zeigte Troy uns die Champagne Pools, die durch eine fast kreisförmige Felsformation am Meer entstanden. Über die Felsen schwappen immer mal wieder Wellen und füllen so die Pools. Daher ist dieser Platz die einzige Möglichkeit auf der ganzen Insel, im Salzwasser zu baden. Trotz kilometerlanger Sandstrände sollte man andernorts nicht in die Wellen springen. Die Gefahr der starken Strömung wird nur durch die der Haie überboten.

Wrack der Maheno

Anschließend fuhren wir wieder Richtung Süden in unser “Retreat” und legten noch einen Halt bei der “Maheno” ein. Wir hatten das Schiffswrack zwar schon auf der Hinfahrt gesehen, aber Troy versprach, dass am Abend weniger Touristen das Bild stören würden. Er hatte Recht.

Gute Gründe für eine Übernachtung

Den Abend verbrachten wir im Hostel am Lagerfeuer bei Wein und Marshmallows während wir Troys Erzählungen über die Geschichte der Insel, der Maheno und den Stories der Butchulla People lauschten. Das herzallerliebste Hostel der Dropbears sorgte außerdem für leckeres Abendessen und in unserem “Zelt” hat es sich hervorragend geschlafen.

Auf Troys Empfehlung hin wollten wir uns den Sonnenaufgang am Strand nicht entgehen lassen. Also standen wir extrem früh auf, nahmen pflichtbewusst einen Dingo-Stick (zur Abwehr dieser wilden, einzigartigen Hunde der Insel) mit und starrten zunächst in die Wolken. Kurz nach Sonnenaufgang brach der Himmel aber teilweise auf und bescherte uns tatsächlich einen zauberhaften Anblick.

Lake McKenzie

Auch die anderen Mitreisenden durften nicht all zu lange schlafen, da Troy einen langen und aufregenden Tag geplant hatte. Nach dem eiligen Frühstück ging es dann auch schon auf den holprigen Inlandspfaden zum Lake McKenzie, den wir tatächlich vor allen anderen Touristen erreichten. Nach einem erfrischenden Bad in diesem wunderbar klaren Wasser durften wir noch am schneeweißen Sandstrand “chillen”, bevor es auf abenteuerlichen 4-Wheel-Tracks weiter zur Central Station ging.
Diese ehemalige Bahnstation ist der letzte Zeuge einer längst vergangenen Holzindustrie auf der Insel. Die Umgebung zeigt aber noch deutlich, wie der ursprüngliche Regenwald der Insel aussehen könnte.

Lake Birrabeen

Nachdem wir genügend Zeit bekamen Bäume zu umarmen, ging es auch schon weiter zum Lake Birrabeen. Genauso schön wie Lake McKenzie – aber lange nicht so überlaufen. Da wir Troys ambitionierten Zeitplan weit voraus waren und die Rückfahrt noch ein klein wenig hinausgezögert werden durfte, lehrte er uns am Strand des Sees, wie Boomerangs zu werfen sind. Das war ein Heidenspaß und nach vielen Versuchen landete mein Boomerang auch nicht mehr direkt und unkontrolliert im Wasser.

Fazit:

K’Gari ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Wer Zeit hat, bleibt mindestens zwei Tage! Wer Lust auf viele tolle Infos und jede Menge Spaß hat, bucht bei Dropbear Adventures!

PS: Troy hat ganz viele tolle und witzige Fotos auf der Tour gemacht. Die findet ihr auf der Dropbear-Flickr-Seite. Enjoy!

Heron Island – Naturparadies an der Ostküste Australiens

Wer an der Ostküste Australiens unterwegs ist, hat unendlich viele Möglichkeiten, die wunderbare Natur Australiens zu erleben. Sei es der tropische Regenwald nördlich von Cairns, die sanften Hügel des Atherton Tablelands, Traumstrände auf den Whitsunday Islands, die Unterwasserwelt des Great Barrier Reef oder K’Gari, die größte Sandinsel der Welt – man ist immer von gefühlt 1000 anderen Touristen umringt. Natürlich. Es ist nun mal wunderschön dort und jeder will es sehen und erlebt haben.

Aber was, wenn man eins mit der Natur sein möchte, schnorcheln will UND nur wenige andere Leute sehen will? Dann nimmt man Geld in die Hand und bucht ein paar Tage auf Heron Island.

Trauminsel

Trauminsel vor der Ostküste Australiens

Die winzig kleine Koralleninsel liegt 2 Stunden mit der Fähre vom Festland entfernt und ist am besten von Gladstone zu erreichen. Wer keine Zeit auf der Fähre vergeuden und die Zeit auf der Insel maximieren möchte, kann auch gerne “ein wenig” mehr Geld in die Hand nehmen und ein Wasserflugzeug buchen. (Spoiler: das allein ist ein Erlebnis!)
Unser Reiseplan sah so aus, dass wir auf dem Hinweg die Fähre nahmen und für den Rückweg das Wasserflugzeug wählte. Beide Strecken zu fliegen war mir ehrlich gestanden dann doch zu teuer.

Die Regeln

Kommt man in Gladstone am Fährhafen an, erfolgt ein unkompliziertes CheckIn wo einem auch das Gepäck abgenommen wird. Die großen Rucksäcke fanden wir dann tatsächlich auch erst in meinem Bungalow wieder. Die eigentliche Fährfahrt ist so langweilig wie eine Fährfahrt eben sein kann. Wer nicht so leicht von Seekrankheit betroffen ist, kann sich unter Deck gern die Zeit mit einem Film über das Great Barrier Reef vertreiben.
Auf Heron Island angekommen, wird man freundlich vom Personal begrüßt und bekommt zunächst eine Einführung geboten. Bitte was? Eine Einführung? Ich weiß doch wohl, wie ich mich in einem Hotel oder Resort zu verhalten haben…

Schnell wurde klar, dass Heron Island nicht das übliche Paradies-Luxus-Resort ist – auch wenn der Preis dies vermuten lässt. Vielmehr handelt es sich um ein nahezu unberührtes Fleckchen Erde mit ein paar Bungalows darauf. Und damit das so paradiesisch erhalten bleibt, müssen die Gäste ein paar ungewöhnliche Regeln befolgen:

  • Duschen bitte nicht in den Stoßzeiten (morgens und abends) und dann bitte nur 3 Minuten. Ja, auch wenn du Haare waschen willst (oder musst wegen dem vielen Salzwasser)
  • Essenszeiten zum Dinner werden zugeteilt. Auch wenn nur knapp 200 Gäste gleichzeitig auf der Insel sind wollte man kein größeres, pompöseres Restaurant bauen. Sehr vernünftig. Außerdem isst es sich auch viel angenehmer wenn weniger Menschen umherwuseln
  • Es folgen viele, viele Regeln und Hinweise, wie die vielfältige Tierwelt zu Wasser und an Land zu behandeln wäre.

Das Resort

Nagut. Diese Einführung war tatsächlich sinnvoll. Darf ich dann jetzt bitte endlich meinen 5-Sterne-Luxus-Resort-Bungalow sehen, für den ich so viel Geld bezahlt habe?
Ach nein – da war ja was. Heron Island ist in der Tat kein 5-Sterne-Luxus-Resort. Was man hier teuer bezahlt ist die Abgeschiedenheit, die einzigartige Natur und stellenweise das Gefühl Robinson Crusoe zu sein. Die maximale Anzahl der Gäste ist kaum spürbar (außer beim Frühstück), da sich die überschaubare Masse auf der Anlage viel und weiträumig verläuft. Und am Tage ist eh jeder im Wasser.
Dennoch sind die Bungalows wirklich einladend, absolut sauber und ließen für uns keine Wünsche offen. Ich hatte ja auch keinen 5-Sterne-Luxus erwartet, wie so manch anderer Gast der dann sehr enttäuscht war. Vielmehr schätzte ich das ökologische Engagement der Betreiber. Strom wird komplett selbst generiert, Wasser wird entsalzt, Müll auf das allernötigste reduziert. So kann grüner “Luxus”-Urlaub aussehen.

Die Unterwasserwelt

Was macht man auf einer Insel mitten im Great Barrier Reef, die man innerhalb von einer Stunde zu Fuß umrunden kann? Schnorcheln! Oder Tauchen wer mag und kann.
Da Heron Island eine echte Koralleninsel ist, kann man direkt vom Strand in das Riff hineinlaufen und sich der Unterwasserwelt hingeben. Man sollte sich nur vorher mit den Gezeiten vertraut machen – sonst muss man wirklich weit laufen, damit der Bauch nicht mehr auf dem Boden oder auf den Korallen aufkommt (das tut ja auch ein wenig weh, nicht wahr?).

In Zeiten von absoluter Ebbe empfiehlt es sich aber auch, die Insel an sich mit ihren vielen nervigen und lauten und unglaublich süßen Vögeln zu erkunden.

Wenn einem die Insel und das Riff rundherum zu langweilig wird, kann man auch an einer Bootstour teilnehmen die einen an den Rand des Riffes bringt. Dort kann man dann unter fachkundiger Führung sogenanntes “Drift Snorkeling” machen. Dabei wird man nur von der Strömung am Rand des Riffes entlang geführt und sieht so viele Fische und Korallen, die weiter im Inneren des Riffes nicht zu sehen sind. Diese Bootstour kostet zwar Aufpreis, ist es aber definitiv wert!

Was für Lebewesen sind uns denn nun begegnet? Seht selbst. Ich bin auch heute noch völlig überwältigt, wenn ich an all die Kreaturen zurückdenke.

Der Rückflug

Wer für den Rückweg die Fähre wählt, muss wie in einem normalen Hotel um 10:00 morgens auschecken und um 10:30 Uhr das Boot Richtung Festland besteigen. Nicht so, wer mit dem Wasserflugzeug abreist. Wir durften den Bungalow noch bis zum Mittag nutzen und auch danach noch alle Annehmlichkeiten des Resorts  genießen. Gern hätte ich mir bis zum Abflug um 16.00 Uhr noch eine Massage im Spa gegönnt. Aber das muss man anscheinend viel früher buchen. Es gab mal wieder keinen Termin für mich (story of my life).

Der Flug selber war atemberaubend! Ein winziges Flugzeug landet auf dem Wasser und beim Einsteigen gibt es nasse Füße. Das wird aber mit einem unglaublichen Blick über das Riff entlohnt.

Mein Fazit:

Ja, Heron Island ist unglaublich teuer. Es ist kein Luxus-Resort und alles kostet extra (z.B. Abendessen oder Drinks) – all inklusive ist hier nicht angesagt, obwohl man ja gar keine andere Wahl hat außer das eine Restaurant und die eine Bar zu besuchen.
Dennoch würde ich jederzeit wieder ein paar Tage auf dieser traumhaften Insel buchen. Die absolut unbeschreibliche, faszinierende Unterwasserwelt und nicht zuletzt auch die sehr freundliche Belegschaft des Resorts lassen mich sicherlich irgendwann zurück kehren.

Kulinarisches Utrecht

Wer ihn kennt, weiß: der Andy hat überall Freunde. Selbst in Utrecht.

Ich war noch nie in Utrecht. Und außerdem ist der Stefan ein wirklich Netter, der uns in seinem Heim Obdach und Frühstück anbot.
Das nahmen wir nur zu gern an und buchten für das Pfingstwochenenden dank überquellendem Bahn-Punkte-Konto und Europa-Specials eine Bahnfahrt in der 1. Klasse nach Utrecht.

ÖPNV innovativ

Am Bahnhof angekommen stellten wir fest, wie sauber und aufgeräumt und neu alles ist. Kunststück: der Bahnhof in Utrecht ist brand neu und dementsprechend ist alles drum herum noch eine riesige Baustelle.
Stefan war so nett, uns abzuholen und drückte uns ÖPNV-Karten in die Hand mit den folgenden Worten “Damit könnt ihr überall fahren. Einfach ein- und wieder auschecken. Abgerechnet wird nach Kilometern.”
Das nenne ich mal innovativ. Es war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, im Bus auch beim Aussteigen, die Karte an ein Lesegerät zu halten, aber ich bin stolz auf uns, dass wir es nicht einmal vergessen haben.

Stadtspaziergang

Nachdem wir unser Gepäck deponiert und uns mit einem leckeren Kaffee gestärkt hatten, wollten wir auch die Stadt erkunden. Stefan erklärte sich dankenswerter Weise bereit, den Guide zu spielen. Ohne ihn wäre die Tour nur halb so informativ gewesen. Er wusste von Architektur, Kultur und Eigenheiten der Stadt zu berichten, aber auch wie es ist, als Expat in den Niederlanden zu leben.

Zunächst spazierten wir am Singel – eine Art Stadtgraben – entlang und umrundeten so fast die halbe Innenstadt (zumindest kam es mir so vor). Vorbei kamen wir an wundervollen Parks und niedlichen Gässchen und lauschten dabei gespannt Stefans Geschichten.

Die Innenstadt selbst überraschte uns dann mit ruhigen Grachten und einer gemütlichen Atmosphäre. Verlaufen kann man sich in dieser süßen Stadt tatsächlich nicht, denn der Dom überragt alles und ist eigentlich von fast jedem Winkel zu sehen.

Etwas irritierend sieht es schon aus, wenn der Kirchturm einige Meter entfernt von der Kirche steht. Aber so ist das nun mal, wenn vor Hunderten Jahren (1674) ein Tornado den Mittelgang einstürzen lässt und ihn seither niemand wieder aufgebaut hat.

Kulinarische Höhepunkte

1. Pizza in Utrecht?

Kulinarisch verließen wir uns ganz auf Stefan und so kam es dass wir zum Abendessen auf das niederländische Nationalgericht “deep fried something” verzichteten sondern die angeblich beste Pizza der Stadt genossen. Und ja, im “O’Panuozzo”  versteht man was von leckerer neapolitanischer Küche.

Die Niederlande sind meines Wissens jetzt nicht so berühmt für ihre Bierkultur. Ja, Heineken ist berühmt, aber alles andere als lecker. Dennoch gibt es sehr, sehr viele kleine Brauereien, die sich auf Craft Beer konzentrieren und ein paar davon durften wir probieren.

2. Bier in einer Kirche

Zunächst besuchten wir das belgische “Café Olivier” , dass sich nicht unbedingt durch günstige Preise oder heimelige Atmosphäre auszeichnete. Viel interessanter und damit unbedingt sehenswert ist die Lokation an sich: Das Café befindet sich in einer alten Kirche – mit hoher Decke und eingebauter Orgel und allem drum und dran. Auch in der Auswahl der Biere (WAAH! ZU! VIEL! AUSWAHL!) verließen wir uns auf Stefan – und das war eine grandiose Idee. Spoiler: er traf den gesamten Abend über unseren Geschmack!

Im Café Olivier schenkte man uns zum Abschied auch die traditionellen Pfeffi-Bonbons mit dem Konterfeit der ehemaligen Königin drauf. Viel zu süß, viel zu groß – aber eine nette Idee.

3. Beim Dude zu Gast

Die zweite Bar befand sich direkt unter dem Domturm und gefiel uns schon vom Namen her: “Lebowski”. Als Fans des Films suchten wir natürlich nach dem Teppich, der die Wohnung (in dem Fall die Kneipe) erst gemütlich macht. Und wir wurden fündig 🙂 Außerdem gab es noch einen passenden Flipper.

Eigentlich hätten wir ja einen White Russian zu uns nehmen müssen, aber das liessen wir zu Gunsten des hauseigenen Biers sein. Auch hier wurden wir geschmacklich nicht enttäuscht. Mir blieb auch positiv in Erinnerung, dass wir einen Pitcher Leitungswasser zum Bier dazu bekamen. Das ist sehr vernünftig.

4. Drei durstige Hirsche

Das mit Abstand leckerste Bier, die netteste Bedienung und den größten Wohlfühlfaktor gab es schließlich im “De Drie Dorstige Herten”. Ich habe noch nie erlebt, dass sich die Inhaber einer Bar so gut mit ihrer Materie auskennen und Tipps geben, was schmecken könnte. Ich hatte mir auf Stefans Rat hin ein Obstbier ausgesucht. Kennt man ja… Süßes Bier, das vor allem nach Zucker schmeckt. Plötzlich wollte die Bedienung aber wissen, was ich vorher getrunken hätte und Stefan klärte mit ihr die Details auf niederländisch. Tatsächlich hätte sie mir dieses besondere Bier nicht verkauft, wenn ich vorher ein herbes oder sehr starkes Bier getrunken hätte. Diese Ansage machte mich natürlich neugierig. Und was ich dann kredenzt bekam würde ich in der Tat als das leckerste Bier ever bezeichnen. Leicht, fruchtig, kein Zuckergeschmack und herrlich frisch.

Das Essen war ja nun schon eine ganze Weile her und nach all dem Bier hatten wir wieder so ein kleines Hungergefühl… vor allem aber Appetit auf irgendwas Fettiges. Da hatte Stefan die perfekte Idee: Bitterballen! Hierbei handelt es sich um eine niederländische – natürlich frittierte – Spezialität, die man gern als Snack zwischendurch oder zum Bier genießt. Eine undefinierbare Masse aus Rind- und Kalbfleisch wird paniert und mit Senf gereicht. Yummy!

5. Der Heimweg

Eigentlich wollten wir nur “nach Hause” laufen und passierten dabei das “Kafé België”, das überwiegend von Expats besucht wird. Hier fanden wir wahnwitzige Mischung aus Kneipenkultur und Religiösität vor.

Findet ihr es eigentlich auch befremdlich, dass in den Niederlanden die Kneipen “Café” heißen?

Nach dem Spaziergang “nach Hause” wurde der Abend gekrönt mit einem gemütlichen Ausklang auf der Couch und einer Flasche von Stefans selbstgebrautem Bier. Wow! Damit habe ich nicht gerechnet. Besser hätte dieser Tag nicht enden können.

Fazit

Nach dem ich lange Zeit kein Bier mehr mochte, hat mich dieser Ausflug wieder auf den Geschmack gebracht.

Danke, Stefan für einen grandiosen Tag in deiner wunderbaren Stadt.

PS: Die allermeisten Fotos sind von Andy, das eine oder andere von mir.